06. April – Konversation 4
Gestern hatte ich Joe einen kleinen Krankenbesuch abgestattet.
„Hey, Alter! Ich dachte, du wärst krank!“
„Ja bin ich eh – sieh mich doch nur an.“
„Naja, Kranke Menschen liegen normalerweise im Bett und spielen nicht alleine Tischtennis!“
„Tja, ich bin einfach anders! HAHA… Was tut sich bei dir, Kellerthor?“
„Puh, Nichts. Wirklich gar nichts!“
„Spielst ne Runde mit? Zu zweit machts mehr Spaß.“
„Ja, klar!“
Tischtennis – naja, war schon immer mein Sport gewesen.
„Weißt was schön wäre, Kellerthor? Wenn dir alles einfach scheißegal sein könnte. Dein Ruf, Deine Finanzen, Deine Freunde, Deine Vergangenheit, Deine Zukunft. Wenn man wieder so leben könnte, wie vor 30.000 Jahren, wo noch die Instinkte die Macht über die Menschen hatten und nicht diese verdammten gesellschaftlichen Zwänge, durch die man seinen wahren Charakter verbergen muss. Verstehst du, was ich meine?“
„Nein, nicht so genau! Ich glaube du verbringst schon wieder viel zu viel Zeit mit dir selbst. „
„Du verstehst mich doch ganz genau.“
„Ach, konzentrier dich lieber aufs Spiel“
29. März – Betrunken
Abend, Tagebuch.
Wow, was war das gestern bloß für ein schräger Abend?
Alles begann, als ich Joe, Willy und Peter anrief, um sich etwas zu betrinken. Wir trafen uns bei Willy und heizten uns etwas mit Wodka ein. Doch gestern lag eine seltsame Stimmung in der Luft. Aus dem Vorhaben, sich etwas zu betrinken, wurde sich komatös nieder zu saufen, um der Realität ganz zu entfliehen.
Jedenfalls verließen wir sturzbesoffen Willy’s Wohnung und marschierten ins KREMA, ein ziemlich geiles, gemütliches Lokal. Doch Joe war gestern anscheinend nicht motiviert und verabschiedete sich. Er wirkte etwas kränklich.
Wir schossen uns im KREMA einige Bier rein. Peter, dieser Idiot, wurde im Rausch aggressiv und motzte und rempelte einen Typen an, wobei es zu einem Handgemenge kam. Naja, die Situation eskalierte, als ein Kellner den Streit schlichten wollte und ihm der Typ daraufhin eine in die Fresse schlug. Peter verzog sich und bestellte sich noch ein Bier.
Ich versteh das nicht – hatte ich gestern noch so gute Laune, wurde ich dann im Alkoholrausch recht schwermütig. Ich wollte mich einfach nur wegschießen, was mir auch gelang. Den anderen beiden gelang dies ebenfalls mit Bravour.
Recht viel weiß ich zwar nicht mehr, aber im Großen und Ganzen war es gestern sehr fürn Arsch.
Hoffe halt nur, dass ich gestern keinen Mist gebaut hatte.
28. März – Jung
Ja, Endlich Wochende! Brauche dringenst Bier! Habe heute so richtig gute Laune und muss diese auch irgendwo auslassen – am Besten in irgendeiner sumpfigen Bar. Werde dann gleich mal ein paar Freunde kontaktieren.
Ja, ich habe eigentlich eine gute Woche hinter mir, was natürlich gefeiert werden muss. Kommt ja nicht allzu oft vor.
Es ist interessant, ich fühle mich gerade so, als wäre ich wieder 19 Jahre alt und alles wäre mir scheißegal. Ein schönes Gefühl.
Nunja, habe jetzt keine Zeit mehr.
25. März – Konversation 3
„Ich bin jetzt seit etwa einem Monat wieder im Lande, Kellerthor. Und was hab ich gemacht? Nur gefeiert, gesoffen, herumgehangen und Muschis geleckt! Lustige Sachen eben. Aber ich weiß nicht, irgendwas stimmt gerade nicht.“
„Ja, aktiv bist du wirklich sehr. Aber, Joe, ich glaub, ich weiß was dir fehlt. Du führst das Leben eines jungen Menschens, dem noch alles egal ist – Hauptsache Spaß. Du bist nun schon 25 Jahre alt. Da verlangt der Mensch einfach mal nach etwas, um was man sich kümmern kann – ein Job, eine Frau, ein zu Hause.“
„Oh Gott, Kellerthor! Wer hat dich nur so gemacht, Alter ^^. Komm schon, das sind doch alles nur Sachen, die dir die Gesellschaft vorschreibt, um ein glücklicher Mensch zu sein. Sind Verantwortung, Verpflichtungen wirklich gleich Glück! Und wer sagt mir bitte, wie alt ich sein muss, um mich noch richtig amüsieren zu dürfen. Das ist mir doch scheißegal. Und so gut kenn ich mich, dass mir nicht die Verantwortung fehlt. Also hör auf mit dem Mist.“
„Nun, du hast mich ja gefragt, ich meine aber trotzdem, dass du …“
„… Es ist etwas anderes, Georg. Ich weiß es nur noch nicht so genau. Aber ich glaube, ich muss euch demnächst wieder verlassen.“
„Na, wenigstens kündigst du es heute an. Nein, red doch nicht so einen Mist, Joe. Vielleicht hast du dich doch noch nicht wieder ganz an uns gewohnt. Aber das kommt schon noch. Österreich ist doch eh so schön und deine Freunde sind auch nicht zuwider. „
„Ja… vermutlich hast ja eh Recht.“
22. März – Arschloch
Ich hasse dieses Arschloch, das mir ständig einen Patschen sticht. Was soll der Mist!
20. März – Gut
Hi Tagebuch,
Derzeit läuft es wieder ganz gut in meinem Leben, jedenfalls besser als vor 2 Monaten! Ich hab wieder regelmäßigen Kontakt zu meinen alten Freunden, besonders zu Joe, und mit meiner Ehe geht es auch wieder bergauf. Julia verbringt schon seit Wochen wieder jede Nacht zu Hause.
Wir verstehen uns auch viel besser. Natürlich gibt es hier und da wieder so einige kleine Zankereien, aber das ist doch ganz normal, oder? Aber so richtig bin ich trotzdem noch nicht zu ihre durchgedrungen – doch das verlangt halt einfach nach Geduld. Auch ficken wir wieder öfters – ja sogar regelmäßig. Jeder zweiter Tag darf es schon sein. Ich liebe einfach ihren schönen Körper. Ich kann’s noch immer nicht verstehen, weshalb ich so eine hübsche Frau abbekommen habe.
Doch irgendein Gefühl werde ich nicht los: Es ist ein Gefühl, das ich nicht zu verstehen vermag. Es ist ein mulmiges Gefühl, ein Gefühl, das immer etwas Trauer in mir aufkeimen lässt.
Aber drauf geschießen, mir geht’s doch eigentlich gut, oder?
Gute Nacht.
14. März – Ausführen
Gestern habe ich Julia fein ausgeführt. Sie war natürlich sehr überrascht, als ich ihr sagte, dass ich sie heute zum Essen ins Resteraunt einlade. Ich bemerkte ihr Zögern sofort – sie dachte wohl, ich würde sie ein bisschen verarschen. Doch bevor es wieder zu einer kleinen Auseinandersetzung kommen konnte, brachte ich ihr auch schon ihren Mantel.
Ich wusste schon im Vorhinein, dass es wohl sehr schwer werden würde, mit ihr ein Gespräch aufzubauen. Doch dass es so schwer sein würde, hätte ich mir nie gedacht. Nach einer ziemlich wortkargen Fahrt zum Restaurant und am Tisch Platz genommen, versuchte ich nun endlich mit ihr wieder richtig zu plaudern:
„Den Fisch, den du dir da bestellt hast, scheint ziemlich exotisch zu sein…“
„Ich weiß nicht, kenn diesen nicht. Wollte halt mal was Neues ausprobieren.“
„Achso…………“ ^Mein Blick schweifte ab^ „Aber hier ist es eh sehr schön, finde ich.“
„Ja, stimmt…“ Julia las die Speisekarte, als wäre es der spannendste Roman der Welt.
„Und… warst du schon öfter da?“
„Ja, sehr oft sogar, aber ist trotzdem nett, dass du mich hier einlädst.“ Ich wollte gar nicht erst wissen, mit wem sie denn so oft schon da war – Ich fragte nicht nach.
„ Und… was tut sich so in der Arbeit“ Sie arbeitet übrigens in einem Blumenladen.
„Nicht viel, stressig halt.“
„ Ja so geht’s mir auch.“
Nun fing auch ich an, die Speisekarte zu studieren. Es entstand eine beklemmende Sprechpause. Es war schlimmer als bei einem ersten Date.
Doch dann wurde es mir zuviel, mit lauter Stimme sagte ich:
„Hey, Julia, Wie geht’s dir eigentlich?“
Etwas verwundert „Ähm, ja gut“
„Nein, ich meine, wie geht’s dir? Was tut sich bei dir? Was fühlst du?“
Julia starrte mich an, worauf ich fortfuhr:
„Ich weiß viel zu wenig von dir, obwohl wir verheiratet sind. Ich möchte einfach mehr von dir wissen. Ich lieb dich doch, Julia und weiß, dass ich ohne dich nicht kann, was ich dir leider viel zu selten sage und zeige.“
Und zum ersten Mal sah ich sie wieder lächeln. Sie sah mich lange an und drückte mir einen Kuss auf die Stirn.
Ab da an, verlief der Abend einfach herrlich, Tagebuch. Wir gingen danach noch gemütlich an der Donaulende spazieren. Daheim angekommen, zog ich sie langsam aus und wir hatten Sex.
Ja, es war ein sehr schöner Abend. Ich freu mich schon, wenn sie heute nach Hause kommt, meine liebe Julia.
Gute Nacht.
13. März – Konversation 2
„Vielleicht mit Blumen?“
„Mit Blumen? Neeiin, abgedrochen! Lass dir etwas Innovatives einfallen! Schick ihr Blumen, die von einem Gigolo in SM-Kluft gebracht werden!“
„Fuck! Und dieser wärst am liebsten du!“
„Aber nein, ich nehme für meine Dienste kein Geld an…“
„Ernsthaft, Joe. Unsere Ehe ist derzeit ziemlich am Boden. Was soll ich…“
„Die Frage ist doch erstmal, warum ist sie am Boden?“
„Ich weiß nicht…“ Mein Blick schweifte ab – Joe hat es immer schon an meinem Gesicht bemerkt, wenn ich lüge.
„Naja egal… Ich rate dir: Mach das, was du am Anfang auch mit ihr gemacht hast. Geh mit ihr ins Kino oder Essen, denn so hast du sie vor 4 Jahren auch schon gewonnen.“
„Ja, wir sind sehr oft Essen gegangen mit anschließendem romantischem Spaziergang an der Donau.“
„Na dann mach das!“
Ja, und das werde ich auch, liebes Tagebuch. Ich werde Julia morgen mal wieder zum Essen ausführen.
12. März – Blumen
Ja, Tagebuch. Ich glaube mit mir geht es wieder bergauf. Es tut gut, sich wieder öfters mit Freunden zu treffen – einfach irgendeinen Scheiß zu machen.
Julia, sie verbringt nun schon seit Tagen jede Nacht zu Hause. – doch die Stimmung zwischen uns ist noch immer sehr kalt. Ich denke, ich sollte mich wieder mehr bemühen, unsere Ehe ins Lot zu bringen.
Vielleicht mit Blumen?
01. März – Konversation
„Mir ist aufgefallen… du hast dich verändert, Kellerthor.“
„Was? Was meinst du?“
Ich wusste genau, was Joe meinte…
„Du bist langsamer geworden und wirkst etwas betrübt!“
„Langsamer?“
„Ja, du bist nicht mehr so spontan und es fehlt dir irgendwie die Power!“
„Oh mein Gott – ja, gut zu wissen“
„Naja, egal.“
„Tja, es hat sich viel getan bei mir – ich bin erwachsen geworden. Das Leben ist nicht mehr so leicht und unbeschwerlich wie vor 3 – 4 Jahren.“
„Oh ja, eine geile Zeit!“
„Weißt was, Joe. Ich beneide dich irgendwie…“
Er wollte mich nicht aussprechen lassen
„Oh nein, mich beneiden? Du bist ja wahnsinnig! Aber drauf geschießen – gehen wir einen trinken!“
„Schon wieder?“
„Ja verdammt, es ist Wochenende! HAHA! Wo wir schon dabei sind, wie geht’s den anderen Pennern eigentlich so?“
„Hab sie schon lange nicht mehr gesehen.“
„Na, dann wissen wir auch schon, was wir heute tun! Glauben wir wieder mal alle zusammen und machen einen drauf.“
„Wie der Herr wünscht!“
So begann also der Freitag Abend. Es fand sich fast wieder die ganze Clique ein, um dem Alkohol zu huldigen. Es war beinahe wie in den guten, alten Zeiten. Aber ich konnte mich dennoch nicht besonders amüsieren, da mir einfach wieder zu viele Gedanken durch den Kopf rasten. Ich verschwand um 2:00 Uhr nach Hause, denn ich wollte irgendwie unbedingt zu Julia. Ich brauchte einfach die Gewissheit, dass sie daheim ist.
Ganz anders als ich, ist Joe womöglich noch immer nicht daheim, denn der ist mit einer Gruppe schwedischer Studenten und Studentinnen nach München gefahren.
Ja, ich beneide ihn: Er erlebt. Nimmt Teil an seinem Leben .
